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30.04.2019

Digitalisierung – Bildung für Selbst-Manager


Was sie unter Digitalisierung in der Berufsbildung verstehen, erklären im «Folio», der Zeitschrift von BCH, Petra Hämmerle und Rainer Hofer von Ectaveo, einem Beratungsunternehmen für berufliche Bildung.
Zwar wird auch für Ectaveo das Lernen on the Job immer wichtiger, aber deswegen wird die Berufsfachschule nicht obsolet: Genau dort soll das selbständige, lebenslange Lernen gelernt werden. Angehende Berufsleute sollen zu ihren eigenen Portfolio-Managern werden, die aus eigener Initiative ihre eigene Entwicklung vorantreiben. Lernziele sind Tugenden wie «Offenheit», «Veränderungsbereitschaft» und der «Wille», die eigene Zukunft zu gestalten.
Der Arbeitsmarkt wird zwar flexibilisiert, doch dass wir deshalb zu beziehungslosen Arbeitsnomaden werden, bezweifelt man bei Ectaveo. Die Berufsidentität und das Wir-Gefühl im Betrieb bleiben zentral für die Motivation. Die persönliche Begegnung bleibt wichtig. Zur Vereinsamung kommt es nicht, doch Beziehungen können auch im digitalen Raum stattfinden. Dass uns Rechner und Roboter langweilige Routinejobs abnehmen, sieht man bei Ecatveo ambivalent: Die Arbeitswelt der Zukunft ist spannend, doch der Upskilling-Faktor gefährdet schwächere Arbeitnehmer, die mit theoretischer Abstraktion überfordert sind. Für sie schlägt Ectaveo Programme vor wie z.B. Nachholbildung.
 
Quelle: Bühler, Renate: Nachgefragt. (Interview) Folio. Oktober 2018 (s.18)