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01.05.2018

Schweiz - Lehrer am Limit?


"Haben Lehrer wirklich Grund zum Klagen?", fragt Irène Dietschi vom Schweizer Radio und Fernsehen SRF und unterzieht die Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen einem "Faktencheck". Von einem "Bildungsabbau" könne keine Rede sein, schreibt Dietschi, weil sich in den letzten 25 Jahren die Bildungsausgaben von 16 Milliarden auf 37 Milliarden mehr als verdoppelt haben. Allerdings geht aus Dietschis Zahlen auch hervor, dass sich der Anteil der Bildungs- an den Gesamtausgaben im gleichen Zeitraum von 15 auf 17 Prozent nur minim erhöht hat. Die Forderung des VPOD nach kleineren Klassen kontert Dietschi mit dem Verweis auf die OECD: In Schweizer Klassen sitzen im Schnitt 19 Kinder, in der OECD sind es 21.

Auch die Einschätzung des LCH, Lehrpersonen verdienten weniger als Berufsleute in anderen Branchen mit vergleichbaren Anforderungen, sie hätten nicht einmal mit dem durchschnittlichen Wachstum aller Branchen von 14,4 Prozent mithalten können, lässt Dietschi nicht gelten. "Realistischer" als der Vergleich mit der Finanzwirtschaft oder der Pharmaindustrie sei jener mit freien Berufen wie Journalistin oder Architekt. Und diese verdienen weniger oder höchstens gleich viel wie Lehrpersonen.

Den steigenden Anforderungen schliesslich stehen laut Dietschi steigende Unterstützung durch Heilpädagogen usw. gegenüber. Zudem sei die Arbeit generell anspruchsvoller geworden - nicht nur für Lehrpersonen. Dietschis Fazit: "Die Widersprüche bleiben."

 

Quelle: Dietschi, Irène: Lehrer am Limit. SRF, 22.4.2018